Van rossum: klarheit statt geschwindigkeit – der schlüssel zum python-erfolg

Die Programmierwelt vergisst oft die Grundlagen: Geschwindigkeit und Performance sind das A und O. Doch Guido van Rossum, der Schöpfer von Python, setzt auf eine andere Strategie – und diese hat das über 30 Jahre hinweg den Erfolg seiner Sprache gesichert: die Verständlichkeit des Codes.

Ein code, den man versteht – auch nach monaten

Ein code, den man versteht – auch nach monaten

Van Rossum fordert: Wenn ein Programmierer heute eine Anwendung schreibt und sie sechs Monate später erneut betrachtet, sollte er den Code problemlos nachvollziehen können. Diese Fähigkeit, so betont er, ist mindestens genauso wichtig wie die reine Funktionalität des Programms. Ein erschreckender Fakt: Fast 10 Prozent der weltweit installierten Geldautomaten laufen noch immer mit einer 65 Jahre alten Programmiersprache. Ein Relikt, das potenziell lukrativ sein könnte – wenn man es versteht.

Python, das er Ende der 80er Jahre entwickelte, sollte eine einfachere Alternative zu den damals üblichen Standards darstellen. Die Idee war, Programmierer von unnötiger Komplexität zu befreien und die Entwicklung zu beschleunigen. Heute ist Python eine der am weitesten verbreiteten Technologien – in der Webentwicklung, der Automatisierung, der Datenanalyse, im maschinellen Lernen und künstlichen Intelligenz.

Van Rossum’s Behauptung, Python-Code auch nach Monaten noch verständlich bleibt, ist mehr als nur eine Frage der Bequemlichkeit. Er argumentiert, dass Software nicht nur von Maschinen, sondern auch von Menschen gelesen und gewartet werden muss. Ein Großteil der Zeit von Entwicklern verbringt er damit, bestehenden Code zu prüfen, Fehler zu beheben und neue Funktionen in Projekte zu integrieren – oft in Systemen, die schon Jahre alt sind.

Deshalb wurde Python so konzipiert, dass seine Syntax möglichst klar und logisch ist. Das Ziel ist es, den Code so zu gestalten, dass er wie eine Beschreibung dessen aussieht, was tatsächlich passiert, anstatt wie eine unübersichtliche Ansammlung von Befehlen. Je leichter ein Programm zu verstehen ist, desto einfacher wird es zu warten. Es handelt sich hier um zwei unterschiedliche Philosophien zur Lösung gleicher Probleme: Python verfolgt einen Ansatz, der auf Einfachheit und Lesbarkeit setzt, ähnlich wie C, das vor allem auf Leistung und direkten Zugriff auf die Hardware abzielt. Die Entwicklung von Sprachen wie Rust, die Programmierung sogar mit Einschränkungen hinsichtlich der Nutzung von KI-Technologien in der Hauptlogik, zeigt, dass der Trend zu Effizienz und Kontrolle weitergeht. Die Debatte über die Zukunft der Programmierung ist also noch lange nicht abgeschlossen.

Die zunehmende Automatisierung der Code-Generierung wirft jedoch neue Fragen auf. Van Rossum ist überzeugt: Die Lesbarkeit wird weiterhin eine Schlüsselkomponente bleiben. Auch wenn KI-Systeme Teile eines Programms schreiben können, wird es immer jemanden brauchen, der den Code versteht, ihn überprüft und wartet. Die Klarheit ist somit ein strategischer Wert, der nicht unterschätzt werden darf.”n