technologie

Graddus: ki-gestützte berufswahl für die nächste generation

Die Frage, was man studieren soll, quält junge Menschen seit Generationen. Doch das spanische Startup Graddus versucht, mit künstlicher Intelligenz und einer Prise datenbasierter Analyse Licht in diesen oft verwirrenden Entscheidungsprozess zu bringen. Das Unternehmen, gegründet 2023, hat sich zum Ziel gesetzt, Hunderttausenden Schülern bei der Studienwahl zu helfen und ihnen den Weg zu einer passenden Ausbildung zu weisen.

Ein algorithmus im stil von fifa

Kern der Plattform ist ein selbstentwickelter KI-Algorithmus, der das Profil des Schülers – Interessen, Noten, Budget, bevorzugter Standort – mit dem Angebot an Universitäten und Fachhochschulen in Spanien vergleicht. „Es funktioniert ähnlich wie bei FIFA“, erklärt CEO Manuel Toledo. „Wir erstellen eine Art Hexagon, in dem die passendsten Studienbereiche hervorgehoben werden.“ Diese Analogie mag simpel klingen, verdeutlicht aber das zugrunde liegende Prinzip: die Reduktion komplexer Daten auf eine handhabbare und verständliche Darstellung.

Die Datenbank von Graddus umfasst das gesamte spanische Bildungsangebot, von staatlichen bis hin zu privaten Hochschulen. Ein neuer Schwerpunkt liegt auf der Integration von Masterstudiengängen, die als wachsendes Phänomen gelten und zunehmend mehr junge Menschen anziehen. Allein im Jahr 2025 nutzten bereits rund 120.000 Schüler die Plattform – ein signifikanter Anteil derjenigen, die an der Selectividad (spanische Hochschulreife) teilnahmen. Für das kommende Schuljahr peilt Graddus eine Steigerung auf 180.000 Nutzer an.

Fracttal als rückgrat der infrastruktur

Fracttal als rückgrat der infrastruktur

Die jüngste Investitionsrunde von 600.000 Euro, angeführt von der Venture-Capital-Firma Successful, wird es ermöglichen, die Online-Orientierung weiter auszubauen und den Fokus auf den Master-Bereich zu verstärken. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Anpassung der Beratung für lateinamerikanische Studierende, die mittlerweile einen erheblichen Teil der Studierendenschaft an spanischen Universitäten ausmachen.

Das holland-test-prinzip neu interpretiert

Das holland-test-prinzip neu interpretiert

Graddus greift auf den etablierten Holland-Interessentest zurück, passt ihn aber an die Bedürfnisse einer schnelllebigen Generation an. Das System erfasst nicht nur Interessen und Präferenzen, sondern auch die Bereitschaft zu Flexibilität und die Anforderungen des Arbeitsmarktes. Die Plattform finanziert sich durch Gebühren, die von privaten Hochschulen erhoben werden, die dadurch eine größere Sichtbarkeit erlangen. Weder die Studierenden noch die öffentlichen Hochschulen müssen für die Nutzung bezahlen.

Mehr als nur wahrscheinlichkeiten

Mehr als nur wahrscheinlichkeiten

„Wir sind keine Pädagogen oder Psychologen“, betont Toledo. „Wir bieten eine Karte der Möglichkeiten, die das Profil des Schülers und die Anforderungen der jeweiligen Studiengänge berücksichtigt.“ Der Algorithmus analysiert dabei Gespräche mit Professoren und Absolventen, um eine fundierte Bewertung vorzunehmen. Das Ziel ist es, unüberlegte Entscheidungen zu minimieren. Als Qualitätskontrolle befragt Graddus die Schüler eine Woche nach der Beratung, um festzustellen, ob die Empfehlung hilfreich war. Die Antwort ist überwiegend positiv: 70 % der Befragten geben an, sich nun sicherer in ihrer Studienwahl zu sein.

Während Toledo die langfristigen Auswirkungen der KI auf das Bildungswesen nicht voraussagen möchte – „die Prognosen der großen Beratungsunternehmen der letzten Jahre haben sich als wenig zutreffend erwiesen“ – weist er auf einige aktuelle Trends hin. Der Online-Bildung genießt weiterhin eine hohe Nachfrage, getrieben von der Flexibilität, die sie bietet. Madrid verliert als Bildungsstandort an Bedeutung, während Städte mit niedrigeren Lebenshaltungskosten an Bedeutung gewinnen. Auch die Berufsausbildung (FP) erfährt einen Aufschwung und wird von vielen als Sprungbrett für eine spätere Hochschulbildung betrachtet. Und schließlich spielt der Ruf einer Institution eine immer größere Rolle bei der Wahl der Studierenden – insbesondere im Bereich der Masterstudiengänge, bei denen die IE, IESE und Esade eine herausragende Position einnehmen.

Die Zahlen sprechen für sich: Graddus ebnet den Weg für eine datengestützte Zukunft der Studienwahl, in der junge Menschen besser auf die Herausforderungen des Arbeitsmarktes vorbereitet werden. Ein System, das nicht nur die Karrierechancen verbessert, sondern auch die Chance auf ein erfüllteres Berufsleben.